Marktdiversitaet

Die Diversität der Anlage ist der Schlüssel zum Erfolg.

«Diversifizierung ist noch wichtiger geworden»

Marc Faber ist alles andere als euphorisch. Der Experte für internationale Finanzen sowie Verfasser und Herausgeber des renommierten «The Gloom, Boom and Doom Report» sieht derzeit wenig Potenzial für attraktive Anlagen. Ausnahmen gibt es – wenn der Anlagenmix stimmt.

Miriam Dibsdale

Marc Faber, wie beurteilen Sie die Situation an den Märkten derzeit?

Marc-Faber-profile-150x150Wir befinden uns in einer ungewöhnlichen Situation. Auf der einen Seite erleben wir eine Wirtschaftsverlagerung – oder vielmehr eine Verlangsamung. Die Industrie beispielsweise ist weltweit rückläufig. Auf der anderen Seite haben wir die Notenbanken, die weiterhin Geld drucken. Wir wissen aber nicht, wann dies das nächste Mal der Fall sein wird – und vor allem wissen wir auch nicht, ob dieses Vorgehen die Märkte positiv beeinflusst oder nicht. Diese Manipulation der Notenbankenbanken sowie die wirtschaftliche Entwicklung machen es sehr schwer, die Märkte verlässlich einzuschätzen und Prognosen zu erstellen. Als Beispiel können wir die Edelmetallpreise anführen: Die sind trotz aller staatlichen Investitionen gesunken. Man fragt sich, wo denn das ganze Geld eigentlich hinfliesst. Zusammenfassend bleibt zu sagen, dass Anleger in den vergangenen 12 Monaten fast nichts verdient haben.

Über Marc Faber

Dr. Marc Faber wurde in Zürich geboren. Er studierte Wirtschaft an den Universitäten Zürich und Genf. Zwischen 1970 und 1978 arbeitete Faber für White Weld & Company Limited in New York, Zürich und Hong Kong. Seit 1973 lebt er in Hong Kong. Im Juni 1990 startete er sein eigenes Investitionsberatungs-Unternehmen: MARC FABER LIMITED. Faber publiziert einen weitbeachteten monatlichen Newsletter, den «The Gloom Boom & Doom Report». Er ist ebenfalls Autor verschiedener Bücher, darunter «TOMORROW’S GOLD – Asia’s Age of Discovery».

 

Die verschiedenen Indices erscheinen aber grundsätzlich gut zu sein.

Diese befinden sich in der Tat beinahe auf einem Hoch, aber man muss genauer hinschauen. Die Indices sind getragen durch einige wenige besonders starke Aktien, wie zum Beispiel Amazon oder Apple. Sie heben das gesamte Gefüge an. Mein Eindruck: Das Risiko nach unten ist derzeit relativ gross, das Potenzial nach oben verhältnismässig gering.

Was kann man tun? Sie werden uns ja nicht erzählen, dass man nicht mehr anlegen soll.

Nein, natürlich nicht. Ihr ganzes Geld auf der Bank zu haben ist ebenfalls ein Risiko. Der Schlüssel zu einer guten Anlagestrategie liegt in der Diversifikation – heute sogar noch mehr als früher. Ich empfehle folgendes: Verteilen Sie Ihre Geld auf einen Teil Immobilien, einen Teil Aktien, einen Teil Bargeld und Obligationen sowie einen Teil Edelmetalle. Und wenn Sie dazu in der Lage sind und die nötigen Kontakte haben: Kaufen Sie Land, zum Beispiel in Brasilien oder Asien. Das sind Anlagen, deren Wert garantiert steigen wird.

Marc Faber

Wie steht es mit Staatsanleihen?

Deren Zinsen befinden sich auf einem Rekordtiefstand. Amerika weist immerhin noch zwei Prozent aus – das ist eigentlich unattraktiv, aber wenn man es in Relation setzt zu anderen Staatsanleihen, erscheint es schon wieder gut. Das sind die derzeitigen Gegebenheiten, diese werden sich die nächsten fünf bis vielleicht zehn Jahre halten. Schauen Sie sich den Dollar an – in vielen Schwellenländern ist er um 50 bis 60 Prozent gefallen.

Gibt es denn irgendeinen Markt, der boomt?

Den gibt es durchaus, die vietnamesische Börse ist ein Beispiel dafür. Diese legte ein Wachstum von zehn Prozent hin in einem Jahr hin, was eine gewaltige Performance darstellt. Nur ist es für europäische Anleger nicht leicht, diesen zu durchschauen. Ich wage zu behaupten, dass kein Europäer einfach sein ganzes Vermögen in die vietnamesische Börse steckt.

Sie malen ein düsteres Bild.

Wir müssen gewisse Marktentwicklungen einfach hinnehmen. Auf dem Immobilienmarkt gibt es immer wieder interessante Objekte, die hervorstechen, aber der Markt ist sehr fragmentiert. Günstige Anlagen sind derzeit Aktien, die an Energieträger wie Öl oder Gas gebunden sind. Auch Aktien von Goldminen sind tief bewertet. Das kann man im Rahmen einer Diversifizierung des Portfolios im Hinterkopf behalten. Aber Tatsache bleibt: Die Voraussage von Märkten ist immer schwierig. Insbesondere da sie manipuliert werden durch die Geldpolitik der Notenbanken. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dies auf lange Sicht gut gehen wird.

Intelligent investieren

Wie meinen Sie das?

Die staatlichen Ausgaben sind in manchen Fällen während der letzten Jahre auf über 50 Prozent des jeweiligen Bruttoinlandprodukts angestiegen. Anfangs des 20. Jahrhunderts betrug dieser Wert nur etwa 15 Prozent. Das Problem: Die «unteren» 50 Prozent der Bevölkerung besitzen gar keine Anlagen, aber sie sind direkt von der Strategie ihrer Regierung mitbetroffen. Sie müssen sich mit steigenden Lebenserhaltungskosten sowie steigenden Preisen für Energie und Nahrung herumschlagen. Das sehen wir zum Beispiel in Amerika. Dort ist die Hälfte der Leute nicht in der Lage, Erspartes anzuhäufen, der Lohn wird jeden Monat «weggefressen». Und die Nullzins-Politik der Notenbanken hat es erlaubt, die Staatsschulden zu erhöhen – aber wenig sonst. Das ist langfristig gesehen alles andere als positiv.

Nach welchen Regeln investieren Sie selber?

Wenn ich kaufe, stelle ich mir immer die Frage: Was ist das Potenzial und was ist das Risiko? Über einen Zeitraum von zehn Jahren kann man gut vier bis fünf Prozent Realgewinn machen. Doch man muss sich bewusst sein, dass Titel kurzfristig ohne weiteres um 20 Prozent fallen können. Darum sage ich es noch einmal: Diversifizierung ist entscheidend. Investieren? Ja, auf jeden Fall. Aber sehen Sie zu, dass Sie verschieden Bündel schnüren und sinnvoll verteilen.