750x300

Marc Faber: «Diversifikation ist der Schlüssel»

Die nächste Krise ist im Anzug. Davon ist Marc Faber, Experte für internationale Finanzen sowie Verfasser und Herausgeber des renommierten «The Gloom, Boom and Doom Report», überzeugt. Doch es gibt immer noch Mittel und Wege, durch Investieren Geld zu verdienen – wenn es clever gemacht wird.

Miriam Dibsdale

Marc Faber, in Ihrem «The Gloom, Boom and Doom Report», dem Fachblog zu sämtlichen Finanzangelegenheiten, sagen Sie, dass die Märkte «derzeit nicht viel Sinn ergeben» – was meinen Sie damit konkret?

Nun, das ist nicht genau das, was ich gesagt habe. Was ich meinte war, dass die Märkte unberechenbar geworden sind. Dies hat mit der hohen Anzahl an Interventionen, oder besser Manipulationen, durch Regierungen zu tun. Deren Einflussnahme erschwert es merklich, die Entwicklung betroffener Märkte einzuschätzen. Die Zentralbanken haben mit viel Eifer Geld gedruckt, in der Hoffnung, die Finanzmärkte wieder auszugleichen. Doch bewirkt haben sie damit letztlich genau das Gegenteil. Zudem haben sie die Realwirtschaft negativ beeinflusst. Die staatliche Regulierung ist damit nicht Teil der Lösung, sondern vielmehr Teil des Problems.

 

Wie kommen Sie zu dieser Schlussfolgerung?

Staatliche Ausgaben sind in manchen Fällen während der letzten Jahre auf über 50 Prozent des jeweiligen Bruttoinlandprodukts angestiegen. Anfangs des 20. Jahrhunderts betrug dieser Wert gerade einmal 15 Prozent. Gleichzeitig erlegt der Staat den Unternehmen diverse Regulierungen auf, denen nur schwer nachzukommen ist. Das Problem: Die «unteren» 50 Prozent der Bevölkerung besitzen gar keine Anlagen, aber sie sind direkt von der Strategie ihrer Regierung mitbetroffen. Sie müssen sich mit steigenden Lebenserhaltungskosten sowie steigenden Preisen für Energie und Nahrung herumschlagen. Während also die Staaten – erfolglos – versuchen, die Situation für Investoren zu verbessern, erschweren sie die Lage für den Grossteil der Bevölkerung.

 

Wie investieren Sie angesichts dieser unberechenbaren Lage Ihr Geld?

Ich kaufe monatlich Gold. Dem liegt natürlich Kalkül zu Grunde. Ich bin nämlich der Überzeugung, dass wir in eine neue Krise schlittern. Darum werden physische, echte Wertanlagen wie Gold wichtig werden.

 

Was veranlasst Sie zu der Annahme, dass eine weitere Krise naht?

Es besteht momentan ein sehr grosses Ungleichgewicht. Die Verschuldung der Staaten ist unglaublich hoch, die Regierungen haben einfach kontinuierlich neue Schulden auf bestehende Schulden gepackt. Diese Strategie ist nicht gerade nachhaltig, denn alles was man damit erreicht, ist dass sich der «Moment der Wahrheit» nach hinten verschiebt. Doch wenn dieser Moment kommt, und ich erwarte dass es während der kommenden fünf Jahre soweit sein wird, wird es uns teuer zu stehen kommen. Man kann heute schon Stagnation erkennen, schauen Sie sich nur die vielgepriesenen aufstrebenden Märkte an. Chinas Entwicklung hat sich merklich verlangsamt, was auch für andere Länder gilt, die im Aufstieg begriffen waren.

 

Die Regierungen haben einfach kontinuierlich neue Schulden auf bestehende Schulden gepackt. Diese Strategie ist nicht gerade nachhaltig.

 

Warum stagnieren sie?

Die Entwicklung aufstrebender Märkte, oder Emerging Markets, ist direkt gekoppelt an das Wachstum des globalen Exports. Und da ist die Nachfrage deutlich abgeflacht, was diese Märkte direkt beeinflusst. Ich lebe in Asien, ich sehe diese Auswirkungen jeden Tag.

 

Reden wir über andere wichtige Märkte – was ist Ihr Eindruck zu den USA?

Die amerikanische Wirtschaft befindet sich meines Erachtens nicht gerade in einer guten Verfassung. Und Amerika hat ein zusätzliches Problem: Anlagen sind viel zu hoch bewertet, wie etwa Immobilien. Das führt zu einer Anlagenblase. Wir leben in einer Welt von überbewerteten Anlagen, deren Erträge eher tief sind. Aufgrund dieser geopolitischen Entwicklungen und ihren Auswirkungen auf die Märkte, sind wir mit vielen Unbekannten konfrontiert.

 

Wie steht es um Europa?

Europa ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich die Dinge in die falsche Richtung entwickeln können. Die europäischen Länder wollen mehr staatliche Ausgaben. Wie ich bereits erläutert habe, ist dieses Vorgehen aber genau das Problem. Nehmen wir Frankreich als Beispiel. Die Realwirtschaft hat nicht profitiert von den exzessiven Staatsausgaben. Die Situation ist düster, wir werden an Lebensqualität verlieren. Meiner Meinung nach werden die jungen Menschen von heute einmal in einer Welt leben, die vom Komfort her vergleichbar ist mit den 60er- oder 70er-Jahren. Aber das wird die Zeit zeigen.

 

Kommen wir noch einmal zurück auf Ihre eigenen Investitionsstrategien im unsicheren Marktumfeld. Nebst Gold, in welche anderen Anlagen investieren Sie und welche Strategien empfehlen Sie Anlegern?

Am allerwichtigsten ist Diversifikation, sie ist der Schlüssel. Man muss seine Investments breit abstützen und darf nicht den Fehler begehen, alle Eier in einen Korb zu legen. Ich persönlich mag es nicht, mein gesamtes Geld auf der Bank zu haben, denn ich gehe davon aus, dass irgendwann eine «Reiche Leute»-Steuer erhoben wird und die Regierung dann Teile unserer Vermögen von den Banken einzieht. Ich habe einen Viertel meines Geldes in Equities. Darüber hinaus besitze ich einige Anleihen von Emerging Markets sowie Immobilen und Schatzbriefe in Amerika. Ich besitze Gold und einen gewissen Betrag an Bargeld.

 

Sie sehen, ich versuche meine Anlagen zu diversifizieren, auch geografisch. Mann könnte auch Custodies in Kanada oder der Schweiz halten, vielleicht auch in Singapur. Ich möchte erneut betonen: Diversifikation wird entscheidend sein in der Zukunft.