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Wer sich selbständig machen will, muss im Vorfeld viel Planungsarbeit leisten.

Selbständigkeit: vom Traum zur Realität

Inspiration Viele träumen davon: Eine eigene Firma, der eigene Chef sein, Unabhängigkeit, in die eigene Tasche wirtschaften. Während einige versuchen, sich diesen Traum zu verwirklichen, bleibt es bei den meisten bei Träumereien. Dabei gibt es genügend Institutionen, die einen auf dem Weg zur Selbständigkeit unterstützen. Aber das Ganze will vor allem finanziell überlegt sein.

Miriam Dibsdale

Wer kennt dieses Gefühl: Man rackert, leistet Überzeit und fragt sich, für wen man dies alles eigentlich macht. Nicht selten wird diese Frage zähneknirschend beantwortet. Genau dann wünscht man sich, sein eigener Chef zu sein. Doch einerseits den Mut aufbringen, sich selbständig zu machen, andererseits die richtige Idee im richtigen Moment zu finden für eine Firmengründung, ist ganz schön komplex. Doch: «Ideen sind wie Kinder – die eigenen sind die besten», sagt Simon May. Er ist Mitglied der Geschäftsleitung des IFJ Institut für Jungunternehmen in St. Gallen. Das Institut hat sich vor 25 Jahren zur Aufgabe gemacht, Menschen auf dem Weg in die Selbständigkeit zu begleiten. «Wir ermutigen Personen, den Schritt der Firmengründung zu wagen.» Schliesslich könne man von diversen kostenlosen Hilfestellungen beim IFJ profitieren. Und im Rahmen des Gründungsservice gibt es sogar ein Startguthaben für Gründer. «Den Antrieb, die Idee und die Gründungsabsicht muss aber jeder selbst mitbringen», meint May. Mut und Leidenschaft gehörten einfach dazu.

 

Die sieben goldenen Regeln

Ebenso umfassende Hilfsangebote gibt’s bei Startups.ch. Auch hier – vieles ist kostenlos, einige Angebote kosten. Doch dank der Zusammenarbeit mit diversen Partnern kann die eigentliche Firmengründung via Startups.ch kostenlos sein. Vorausgesetzt man entscheidet sich, mit diesen Partnern zusammenzuarbeiten. «Wichtig erscheint mir, dass man sich für die Einhaltung und Abwicklung der wichtigen Rahmenbedingungen Hilfe holt – sodass man sich voll und ganz aufs Kerngeschäft fokussieren kann», findet Walter Regli, CEO von Startups.ch in Winterthur. Daneben sind es sieben goldene Regeln, die Regli den Jungunternehmern ans Herz legt. Diese gehen von der Findung des richtigen Geschäftsmodells über eine Marktanalyse bis hin zur Entwicklung der Marketingstrategie. «Diese Regeln basieren auf unserer praktischen Erfahrung bei der Begleitung von über 9000 Firmengründungen.» Empfehlenswert also, sich diese goldenen Regeln vor der Gründung zu Gemüte zu führen.

 

Das Rad nicht neu erfinden

Genügend Hilfe ist vorhanden. Diese Hilfe allein reicht aber noch nicht aus, um den wichtigen Entscheid zur Selbständigkeit auch wirklich zu machen – und den sicheren Lohn von einem Tag auf den anderen hinter sich zu lassen. Wer jedoch schon lange an einer Idee rumstudiert und ständig das Gefühl hat, noch nicht das exklusivste Geschäftsmodell gefunden zu haben, der kann eigentlich beruhigt sein. Denn nicht nur die innovativste Idee bringt Erfolg. Auch ein bestehendes Business, das man modifiziert oder Teile davon einfach besser macht, führt sehr oft zum Erfolg. «Die Erfolgschancen sind in diesen Fällen dank der Berufserfahrung und dem bestehenden Netzwerk durchaus hoch», so Regli.

 

Genau dieses «Modell» ist der Beginn des Startups «eyeonX» aus Zürich. Patrick Stüssi und Dario Piccinno haben beide eine Vergangenheit im Bereich des Online-Marketings. Stüssi als Entwickler neuer Geschäftsmodelle, Piccinno als Verkäufer deren. «Ich hatte stets Ideen. Als Angestellter stiess ich damit bei den Vorgesetzten aber desöfteren auf taube Ohren», so Stüssi. «Ich sah im Bereich von speziellen Werbemitteln grosses Potenzial.» Und so machte der 30-Jährige aus der Not eine Tugend. «Ich trug die Idee, mich selbständig zu machen, mehrere Jahre mit mir herum», so der Jungunternehmer. Irgendwann sagte er sich: «Die kochen doch auch nur mit Wasser, ich kann das auch!»

 

Eine lange Vorbereitungsphase hilft

Klar, auch bei Stüssi waren die Finanzen lange eine Hemmschwelle. «Man muss sich darauf einstellen, dass bis zu zwölf Monaten kein Geld mehr fliesst. Egal, wie gut du arbeitest.» Dann – wie so oft – fällt bei einem Glas Wein mit Dario Piccinno der Entscheid, es zu wagen. «Wir liessen uns aber Zeit, analysierten den Markt, feilten am Businessplan und stellten die Finanzierung für mindestens sechs Monate sicher.» Ein Jahr dauerte die Vorbereitungsphase, bis die «eyeonX AG» letzten Sommer gegründet war. Den Entschluss, es zu wagen, bereut Stüssi keine Sekunde. «Die ersten sechs Monate waren schon hart», meint er schmunzelnd. Es sei extrem wichtig, dass man sich stur an seinen Businessplan hält und das Ziel nicht aus den Augen verliert. Und – auch dies überrascht wenig – man müsse sich voll reinhängen. «Die Freizeit ist natürlich plötzlich sehr knapp. Aber der Beruf sollte ja mit der Selbständigkeit auch ein wenig zum Hobby werden.»

 

Nach zehn Monaten Geschäftstätigkeit konnten sich Stüssi und Piccinno erstmals einen Lohn ausbezahlen. Zudem stehen sie vor der Einstellung eines ersten Angestellten. «Nebst dem Mut zur Selbständigkeit braucht es auch Investitionen. Dafür darf man sich gerade am Anfang nicht zu schade sein.» Somit steht fest: Wer sich genügend Zeit lässt, die Idee reifen zu lassen, sich Hilfe und Informationen besorgt, ein Netzwerk aufbaut, sich an den Businessplan und die Finanzierungsvorgaben hält, der braucht das Rad nicht neu zu erfinden. Denn wenn man gewillt ist, etwas besser und mit mehr Herzblut zu machen als andere, dann führt die Selbständigkeit zum Erfolg.